SK-REG BLOG

Dieser Block befindet sich derzeit im Aufbau und wird
ständig erweitert. Daher bitten wir um Verständnis, falls noch
nicht alle Funktionalitäten zur Verfügung stehen.
Dieses Projekt sehe ich als Terapie, um nicht zu vergessen
Details
Politik · Gesundheit

Exilby, Parteispenden und Politik: Wie unabhängig war die Zulassung des neuen Cannabis Medikaments?

Regenstauf, September 2026 · Kommentar

Die Zulassung des neuen Cannabis Fertigarzneimittels „Exilby“ wirft unangenehme Fragen nach politischem Einfluss, Transparenz und der Unabhängigkeit von Behörden auf. Interne Unterlagen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollen belegen, dass die Entscheidung gegen den fachlichen Rat durchgesetzt wurde zeitgleich zu hohen Parteispenden aus dem Umfeld des Herstellers Vertanical und einer Gesetzesänderung zugunsten genau solcher Präparate.

Ein neues Cannabis Medikament mit politischer Sprengkraft

Mit „Exilby“ ist seit September 2026 ein neues THC reiches Cannabis Fertigarzneimittel zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen auf dem Markt. Entwickelt wurde es vom Münchner Unternehmen Vertanical, zugelassen vom BfArM. Medizinisch ist das Präparat Teil eines Trends hin zu standardisierten Extrakten und Fertigarzneimitteln, die als Alternative zu klassischen Schmerzmitteln und Opioiden positioniert werden.

Brisant wird Exilby jedoch weniger durch seine pharmakologische Wirkung als durch den politischen Kontext: Kurz vor der Markteinführung wurden Cannabisblüten aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen, während zugelassene Fertigarzneimittel wie Exilby im GKV Gesetz ausdrücklich bevorzugt wurden. Damit entsteht ein Markt, den die Politik selbst neu sortiert hat und von dem Vertanical unmittelbar profitiert.

Fragwürdige Vorgänge bei der Zulassung

Beschreibung

Laut einer aktuellen Recherche des „Spiegel“ sollen interne Dokumente des BfArM zeigen, dass die Zulassung von Exilby nicht dem üblichen fachlichen Verfahren folgte. Fachleute im Institut hätten die Entscheidung als „wissenschaftlich nicht plausibel“ eingestuft. Trotzdem sei die Zulassung erfolgt angeblich ausschließlich auf mündliche Vorgabe der Hausleitung.

Wenn sich diese Darstellung bestätigt, wäre das ein schwerer Schlag für das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Arzneimittelbehörde. Zulassungsentscheidungen sollen sich an Studienlage, Nutzen Risiko Abwägung und klaren Verfahrensregeln orientieren nicht an politischen Signalen oder persönlichen Kontakten. Eine Behörde, die sich „von oben“ übersteuern lässt, gefährdet nicht nur ihre Glaubwürdigkeit, sondern im Zweifel auch die Patientensicherheit.

Besuche, Gesetzesänderung und hohe Parteispenden

Besonders heikel ist die zeitliche Abfolge der Ereignisse: Kurz vor der Zulassung von Exilby besuchten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und die damalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken den Hersteller Vertanical. Wenig später wurde im GKV Gesetz überraschend verankert, dass zugelassene cannabishaltige Fertigarzneimittel bei Neuverordnungen bevorzugt eingesetzt werden sollen ein klarer Vorteil für Exilby und ähnliche Produkte.

Hinzu kommt ein weiterer Fakt, der seit Längerem öffentlich bekannt ist: Der Gründer von Vertanical hat im Vorfeld der Wahl insgesamt rund 560.000 Euro an CSU, CDU, FDP und SPD gespendet. Die Kombination aus hohen Parteispenden, politischer Unterstützung für ein spezifisches Marktsegment und einer offenbar umstrittenen Zulassung lässt den Verdacht aufkommen, dass hier politischer Einfluss zumindest versucht wurde.

Ein direkter Beweis für „erkaufte“ Entscheidungen liegt bislang nicht vor. Doch in einer Demokratie reicht schon der Eindruck, dass Geld und Nähe zur Politik eine Rolle spielen könnten, um das Vertrauen der Öffentlichkeit massiv zu beschädigen. Genau deshalb braucht es maximale Transparenz: Wer hat wann mit wem gesprochen, welche Studien lagen vor, welche Bedenken wurden geäußert und warum wurden sie möglicherweise übergangen?

Warum der Vorgang lückenlos aufgeklärt werden muss

Der Fall Exilby steht exemplarisch für ein größeres Problem: Wenn wirtschaftliche Interessen, Parteispenden und Gesetzgebung so eng ineinandergreifen, entsteht der Eindruck, dass politische Entscheidungen käuflich sein könnten. Selbst wenn sich am Ende herausstellt, dass die Zulassung formal korrekt war, bleibt die Frage, warum kritische Stimmen im BfArM offenbar keine Wirkung hatten und warum ein einzelnes Präparat so deutlich von einer Gesetzesänderung profitiert.

Notwendig sind nun eine unabhängige Untersuchung, die Offenlegung der internen BfArM Unterlagen und eine transparente Debatte im Bundestag. Es geht nicht nur um ein Cannabis Medikament, sondern um die Grundfrage, ob Gesundheits und Arzneimittelpolitik sich an wissenschaftlichen Kriterien orientiert oder an den Interessen derjenigen, die sich politischen Zugang leisten können.

Fazit: Der Fall Exilby zeigt, wie schnell Vertrauen in staatliche Institutionen erodieren kann, wenn fachliche Verfahren und politische Entscheidungen sich überlagern. Die Kombination aus umstrittener Zulassung, gezielter Gesetzesänderung und hohen Parteispenden ist so brisant, dass eine lückenlose Aufklärung keine Option, sondern Pflicht ist.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf öffentlich bekannten Informationen und Medienberichten. Die genannten Vorgänge und Bewertungen betreffen einen politischen Verdachtsfall; ein gerichtsfester Nachweis für Korruption liegt derzeit nicht vor. Bis zu einer abschließenden Klärung gilt die Unschuldsvermutung für alle beteiligten Personen.